{"id":2497,"date":"2025-06-14T17:32:00","date_gmt":"2025-06-14T15:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rechtsanwalt-fortbildung.net\/blog\/?p=2497"},"modified":"2026-02-27T10:56:35","modified_gmt":"2026-02-27T09:56:35","slug":"fao-reform-2025-mehr-zeit-fuer-fachanwaelte-neue-regeln-in-sechs-fachgebieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rechtsanwalt-fortbildung.net\/blog\/fao-reform-2025-mehr-zeit-fuer-fachanwaelte-neue-regeln-in-sechs-fachgebieten\/","title":{"rendered":"FAO-Reform 2025: Mehr Zeit f\u00fcr Fachanw\u00e4lte, neue Regeln in sechs Fachgebieten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 26.\u202fMai 2025 hat die 8. Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) eine richtungsweisende Reform der Fachanwaltsordnung (FAO) <a href=\"https:\/\/www.brak.de\/fileadmin\/01_ueber_die_brak\/8-sv\/250530_Beschl%C3%BCsse_4._Sitzung_8._SV_Internet_vor_Ausfertigung.pdf#:~:text=II,Scheidungsverbund%20geltend%20gemachte%20Folgesachen%20jeweils\">beschlossen<\/a>. Im Zentrum steht die <strong>Verl\u00e4ngerung des Nachweiszeitraums f\u00fcr praktische F\u00e4lle von drei auf f\u00fcnf Jahre<\/strong>. Au\u00dferdem wurden die Anforderungen in <strong>sechs Fachanwaltsgebieten<\/strong> modernisiert \u2013 von Arbeitsrecht bis Bank- und Kapitalmarktrecht \u2013 um den Zugang zum Fachanwaltstitel zeitgem\u00e4\u00dfer und fairer zu gestalten. Die Reform soll den ver\u00e4nderten Bedingungen im Anwaltsberuf Rechnung tragen und insbesondere jungen Anw\u00e4ltinnen und Anw\u00e4lten <strong>mehr Chancengleichheit<\/strong> bieten. Nachfolgend ein \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Neuerungen, ihre Hintergr\u00fcnde und die Einordnung dieser Reform als Teil eines fortlaufenden Modernisierungsprozesses.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr Zeit f\u00fcr den Fachanwaltstitel: Nachweiszeitraum auf f\u00fcnf Jahre verl\u00e4ngert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer den Titel <em>Fachanw\u00e4ltin<\/em> oder <em>Fachanwalt<\/em> erwerben will, muss neben theoretischen Kenntnissen auch praktische Erfahrung durch eine bestimmte Zahl bearbeiteter F\u00e4lle nachweisen. Bisher durften diese F\u00e4lle h\u00f6chstens drei Jahre zur\u00fcckliegen \u2013 eine Frist, die sich in den letzten Jahren f\u00fcr viele als H\u00fcrde erwiesen hat. Die Satzungsversammlung hat daher \u00a7\u202f5 Abs.\u202f1 Satz\u202f1 FAO ge\u00e4ndert und den Zeitraum auf <strong>f\u00fcnf Jahre<\/strong> ausgedehnt. K\u00fcnftig k\u00f6nnen Antragsteller*innen also F\u00e4lle aus den letzten f\u00fcnf Jahren anrechnen lassen, um die geforderte Fallzahl zu erreichen. Die inhaltlichen Anforderungen und Fallzahlen f\u00fcr jedes Fachgebiet bleiben dabei unver\u00e4ndert; es z\u00e4hlt nun aber weniger die \u201eFalldichte\u201c pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Verl\u00e4ngerung verschafft angehenden Fachanw\u00e4ltinnen und Fachanw\u00e4lten <strong>mehr Luft und Fairness<\/strong>. Gerade wer in Teilzeit arbeitet, familienbedingt pausiert oder in einer Region mit geringer Fallzahl praktiziert, hatte bislang oft Schwierigkeiten, innerhalb von nur drei Jahren genug F\u00e4lle zu sammeln. Die Satzungsversammlung griff diese Problematik auf und stimmte mit deutlicher Mehrheit (63 zu 6 Stimmen) f\u00fcr die F\u00fcnf-Jahres-Frist. Nach Pr\u00fcfung durch das Bundesjustizministerium sollen die \u00c4nderungen voraussichtlich Ende 2025 in Kraft treten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Reform der Anforderungen in sechs Fachanwaltsgebieten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zeitgleich mit der Fristverl\u00e4ngerung wurden die fachlichen Anforderungen in <strong>sechs Fachanwaltschaften<\/strong> reformiert, um sie an aktuelle Entwicklungen anzupassen. Die wichtigsten \u00c4nderungen im \u00dcberblick:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Arbeitsrecht:<\/strong> Wegfall der starren Vorgabe f\u00fcr F\u00e4lle im Kollektivarbeitsrecht. Statt bisher eine bestimmte Mindestzahl an kollektivarbeitsrechtlichen F\u00e4llen nachweisen zu m\u00fcssen, gen\u00fcgt nun, dass die erforderlichen <strong>100 F\u00e4lle<\/strong> aus <em>mindestens vier<\/em> der in \u00a7\u202f10 FAO definierten Teilbereiche stammen (dazu z\u00e4hlen individual- und kollektivarbeitsrechtliche Gebiete). Au\u00dferdem m\u00fcssen mindestens <strong>50 der 100 F\u00e4lle Gerichts- oder Schiedsverfahren<\/strong> gewesen sein. Diese Flexibilisierung tr\u00e4gt der Realit\u00e4t Rechnung, dass nicht jede<em>r Anw\u00e4lt<\/em>in regelm\u00e4\u00dfig kollektivrechtliche Streitigkeiten f\u00fchrt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Familienrecht:<\/strong> Nach wie vor sind <strong>120 F\u00e4lle<\/strong> innerhalb von f\u00fcnf Jahren nachzuweisen, davon mindestens <strong>60 gerichtliche Verfahren<\/strong>. Neu ist jedoch, dass im Ehescheidungsverfahren geltend gemachte <strong>Folgesachen jeweils als eigenst\u00e4ndige F\u00e4lle<\/strong> z\u00e4hlen. Das hei\u00dft, wenn z.\u202fB. im Verbund mit einer Scheidung zugleich Unterhalt, Zugewinnausgleich oder Sorgerechtsfragen geregelt werden, wird nun jede dieser Folgesachen separat angerechnet. Dadurch k\u00f6nnen Familienrechtler*innen die Fallzahl leichter erreichen, obwohl komplexe Scheidungen oft mehrere Teilaspekte umfassen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Strafrecht:<\/strong> Die Anforderung bleibt bei <strong>60 bearbeiteten strafrechtlichen F\u00e4llen<\/strong>, aber die Vorgaben zu Hauptverhandlungen wurden pr\u00e4zisiert. K\u00fcnftig m\u00fcssen darunter <strong>40 Hauptverhandlungstage<\/strong> absolviert sein, davon mindestens <strong>30 vor einem Sch\u00f6ffengericht oder einem \u00fcbergeordneten Gericht<\/strong>. Damit werden gen\u00fcgend Erfahrungen in umfangreicheren Strafsachen sichergestellt, allerdings z\u00e4hlen Verhandlungen vor dem Sch\u00f6ffengericht (Amtsgericht mit Sch\u00f6ffen) nun mit \u2013 zuvor lag der Fokus st\u00e4rker auf Land- und Oberlandesgerichten. Diese \u00c4nderung ber\u00fccksichtigt, dass viele Strafverteidigungen auf Sch\u00f6ffengerichtsebene stattfinden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Erbrecht:<\/strong> Die Fallzahlen bleiben konstant (erforderlich sind hier weiterhin zumeist <strong>80 erbrechtliche F\u00e4lle<\/strong>, wie bisher). Ge\u00e4ndert hat sich aber die Verteilung auf die verschiedenen Themengebiete des Erbrechts. Die F\u00e4lle m\u00fcssen nun <strong>mindestens vier der f\u00fcnf Wissensgebiete<\/strong> des Erbrechts abdecken, wobei in <strong>drei dieser Bereiche jeweils mindestens f\u00fcnf F\u00e4lle<\/strong> nachzuweisen sind. Damit entf\u00e4llt der Zwang, wirklich alle Teilgebiete abzudecken, und es gen\u00fcgt, wenn ein<em>e angehende<\/em>r Fachanwalt*anw\u00e4ltin f\u00fcr Erbrecht in vier von f\u00fcnf Kernbereichen praktische Erfahrung gesammelt hat. Diese Bereiche umfassen etwa die <strong>vorweggenommene Erbfolge, Vertrags- und Testamentsgestaltung sowie Vorsorgevollmachten<\/strong> \u2013 ein Bereich, den die Reform explizit klarer gefasst hat.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bank- und Kapitalmarktrecht:<\/strong> Die erforderliche Fallzahl wurde hier auf <strong>60 F\u00e4lle<\/strong> festgelegt (zuvor waren es 80) und die Anforderungen modernisiert. Mindestens <strong>30 dieser 60 F\u00e4lle<\/strong> m\u00fcssen in <strong>rechtsf\u00f6rmigen Verfahren<\/strong> gef\u00fchrt worden sein, etwa vor Gericht, in au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahren oder Schieds- und Schlichtungsverfahren (z.\u202fB. Ombudsstelle). Au\u00dferdem m\u00fcssen die F\u00e4lle mindestens <strong>drei verschiedene Bereiche<\/strong> des Bank- und Kapitalmarktrechts betreffen, auf jedem dieser Bereiche mit mindestens f\u00fcnf F\u00e4llen. Die in \u00a7\u202f14l FAO neu definierten Wissensgebiete reichen von den <strong>Grundlagen der Bank-Kunden-Beziehung<\/strong> (AGB, Kontoarten, Bankentgelte) \u00fcber das <strong>Kreditvertrags- und Kreditsicherungsrecht<\/strong> bis hin zu <strong>modernen Zahlungssystemen<\/strong> (\u00dcberweisung, Lastschrift, digitale Bezahlmethoden, Kreditkarten). Diese Aktualisierung stellt sicher, dass Fachanw\u00e4lt*innen f\u00fcr Bank- und Kapitalmarktrecht ein breites Spektrum abdecken \u2013 inklusive neuer Entwicklungen im Finanzsektor.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sozialrecht:<\/strong> Die fachlichen <strong>Kenntnisbereiche im Sozialrecht<\/strong> wurden neu gefasst, um aktuellen Gesetzes\u00e4nderungen gerecht zu werden. \u00a7\u202f11 FAO listet nun explizit u.\u202fa. das <strong>Recht der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen<\/strong> und das <strong>Existenzsicherungsrecht<\/strong> (Grundsicherung, Sozialhilfe, Wohngeld) als nachzuweisende Kenntnisse auf. Auch das Recht der <strong>Familienleistungen und -hilfen<\/strong> sowie das <strong>Ausbildungsf\u00f6rderungsrecht<\/strong> wurden deutlicher hervorgehoben. Diese Modernisierung spiegelt die neuen Begriffe und Strukturen des Sozialgesetzbuchs wider, ohne die Fallzahl (weiterhin 60 F\u00e4lle) zu ver\u00e4ndern. Praktisch bedeutet das, dass in Ausbildungskursen und Pr\u00fcfungen f\u00fcr den Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht verst\u00e4rkt auf diese Themen Wert gelegt wird.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde der Reform: Ver\u00e4nderter Berufsalltag und schwindende Fallzahlen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum<\/strong> waren diese \u00c4nderungen erforderlich? Die Rahmenbedingungen des Anwaltsberufs haben sich seit Einf\u00fchrung der FAO in den 1990er Jahren grundlegend ge\u00e4ndert. <strong>Teilzeitarbeit und familienbedingte Auszeiten<\/strong> sind heute weit verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert \u2013 f\u00fcr Frauen wie M\u00e4nne<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/juristen\/b\/fallbearbeitungszeit-fuer-fachanwaltstitel-berufsrecht-fachanwalt-dav#:~:text=vorsitzt,erkl%C3%A4rt%20Gasteyer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">r<\/a>. Gleichzeitig verzeichnen Rechtsanw\u00e4ltinnen und Rechtsanw\u00e4lte einen <strong>generellen R\u00fcckgang der Fallzahlen<\/strong>, w\u00e4hrend der <strong>Aufwand pro Mandat gestiegen<\/strong> ist. Nach einer Analyse des Soldan Instituts hat sich die Zahl der Gerichtsverfahren seit den 1990er Jahren <strong>ann\u00e4hernd halbiert<\/strong>, w\u00e4hrend sich die Zahl der zugelassenen Anw\u00e4lte nahezu <strong>verdoppelt<\/strong> hat. Mit anderen Worten: Es gibt immer weniger F\u00e4lle, die unter immer mehr Jurist*innen aufgeteilt werden m\u00fcssen. Gerade in l\u00e4ndlichen Regionen fehlen oft genug passende Mandate, um in kurzer Zeit die erforderlichen Fallzahlen zu sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklungen f\u00fchrten dazu, dass die starren drei Jahre zur <strong>\u201efaktischen Zugangsschranke\u201c<\/strong> geworden waren, wie es in der Begr\u00fcndung hei\u00dft. Wer nicht in Vollzeit oder in einer gro\u00dfst\u00e4dtischen Kanzlei mit hohem Mandatsaufkommen arbeitete, hatte vielfach kaum eine Chance, alle Bedingungen in so kurzer Zeit zu erf\u00fcllen. Die Fachanwaltsordnung ging urspr\u00fcnglich implizit von einer Vollzeitt\u00e4tigkeit aus \u2013 fr\u00fcher waren 40+ Wochenstunden gerade f\u00fcr Kanzleiinhaber \u00fcblich. <strong>Heutige Berufsrealit\u00e4t<\/strong> ist jedoch oft anders: Viele j\u00fcngere Anw\u00e4lt*innen sind <strong>angestellt statt selbstst\u00e4ndig<\/strong>, Kanzleineugr\u00fcndungen werden seltener, und flexible Arbeitsmodelle ersetzen das traditionelle 60-Stunden-Partnerleben. Die bisherige Fristenregelung passte schlicht nicht mehr zur \u201egelebten Realit\u00e4t\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt ein demografischer Effekt: In einigen Fachgebieten stagnierte zuletzt der Nachwuchs, teils nahmen die Gesamtzahlen der Fachanw\u00e4lte sogar ab. <strong>Besonders drastisch<\/strong> war der R\u00fcckgang im Familienrecht und Sozialrecht \u2013 interessanterweise zwei Gebiete, in denen <strong>\u00fcberdurchschnittlich viele Frauen<\/strong> t\u00e4tig sind. Die Ursachen daf\u00fcr liegen auf der Hand: Nach wie vor schultern Frauen den L\u00f6wenanteil der <strong>Sorgearbeit<\/strong> (Kinderbetreuung, Pflege von Angeh\u00f6rigen), was ihre berufliche Zeit f\u00fcr Zusatzqualifikationen einschr\u00e4nkt. Die Zahlen belegen, dass <strong>Rechtsanw\u00e4ltinnen seltener Fachanw\u00e4lte werden<\/strong> als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen, obwohl Fachanw\u00e4ltinnen gerade in kleineren Kanzleien eigentlich genauso gefragt w\u00e4ren. Der Deutsche Anwaltverein hatte im Vorfeld explizit auf diese strukturelle Benachteiligung hingewiesen und betont, dass die ungleiche Verteilung der Familienarbeit ein wesentlicher Grund f\u00fcr die geringere Fachanw\u00e4ltinnen-Quote ist. Kurzum: Die Reform war n\u00f6tig, um auf einen <strong>nachhaltigen Wandel im Berufsbild<\/strong> zu reagieren und drohenden Nachwuchsmangel in einigen Spezialisierungen abzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ziele der Reform: Mehr Fairness, Nachwuchsf\u00f6rderung und Qualit\u00e4tssicherung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Verl\u00e4ngerung der Fall-Sammelfrist und den punktuellen Anpassungen verfolgt die Satzungsversammlung klare <strong>Ziele<\/strong>. Zun\u00e4chst soll die Reform <strong>Fairness und Chancengleichheit<\/strong> herstellen \u2013 insbesondere f\u00fcr Anw\u00e4ltinnen und Kollegen, die <em>nicht<\/em> in den klassischen Vollzeitmustern arbeiten. <strong>Teilzeitjurist*innen und solche mit Familienverantwortung<\/strong> erhalten nun eine realistische Chance, den Fachanwaltstitel zu erwerben, ohne ihre Lebensmodelle opfern zu m\u00fcssen. Der DAV begr\u00fc\u00dfte die \u00c4nderung ausdr\u00fccklich als Schritt, um der <em>ungleichen Verteilung der Sorgearbeit<\/em> etwas entgegenzusetzen und mehr Anw\u00e4ltinnen den Fachanwalt zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus soll die Reform den <strong>juristischen Nachwuchs<\/strong> motivieren und f\u00f6rdern. F\u00fcr viele junge Anw\u00e4ltinnen und Anw\u00e4lte ist der Fachanwaltstitel ein wichtiges Karriereziel und ein Qualit\u00e4tsmerkmal gegen\u00fcber Mandanten. Wenn der Weg dorthin nun weniger von starren zeitlichen H\u00fcrden gepr\u00e4gt ist, d\u00fcrften wieder mehr Jungjurist*innen diesen Weg einschlagen. In der Tat galt die Fachanwaltschaft lange als Erfolgsmodell \u2013 sie ist ein etabliertes <strong>\u201eQualit\u00e4tssiegel\u201c<\/strong> im Rechtsdienstleistungsmarkt. Private Mandanten wie Unternehmen achten bei der Anwaltssuche gezielt auf Fachanwaltstitel. Doch zuletzt flachte der Zuwachs deutlich ab Indem die Zugangsvoraussetzungen nun <strong>realit\u00e4tsn\u00e4her<\/strong> gefasst werden, soll der Trend wieder positiver ausfallen und die Zahl der Fachanw\u00e4ltinnen und Fachanw\u00e4lte weiter wachsen (oder zumindest nicht weiter schrumpfen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz aller Erleichterungen wurde <strong>die Qualit\u00e4tssicherung ausdr\u00fccklich im Blick behalten<\/strong>. Die Reform ver\u00e4ndert die erforderliche <em>Menge<\/em> der F\u00e4lle <strong>nicht<\/strong> \u2013 ein Fachanwalt muss nach wie vor z.\u202fB. 100 arbeitsrechtliche oder 120 familienrechtliche F\u00e4lle vorweisen, sodass die <strong>Praxisbreite und Erfahrung<\/strong> gew\u00e4hrleistet bleibt. Lediglich der Zeitraum ist gestreckt, was im Idealfall sogar der Qualit\u00e4t zugutekommt: Fachwissen wird nun \u00fcber l\u00e4ngere Zeit \u201eam Ball gehalten\u201c und kontinuierlicher vertieft, anstatt F\u00e4lle in kurzer Zeit zu erzwingen. In der Diskussion wurde betont, dass eine geringere Falldichte keinen <strong>Qualit\u00e4tsverlust<\/strong> bedeutet \u2013 im Gegenteil, sie k\u00f6nnte zu einer <em>Qualit\u00e4tssteigerung<\/em> f\u00fchren. Auch die <strong>H\u00e4rtefallklausel<\/strong> (\u00a7\u202f5 Abs.\u202f3 FAO), die bislang Verl\u00e4ngerungen im Einzelfall erlaubte, bleibt bestehen. Allerdings wird sie durch die allgemeine Fristverl\u00e4ngerung in vielen F\u00e4llen entbehrlich, was wiederum die Rechtsanwaltskammern entlastet (weniger Einzelpr\u00fcfungen). Unterm Strich soll die Reform also <strong>gleiche Wettbewerbschancen<\/strong> schaffen, ohne das hohe Niveau der Fachanwaltsqualifikation zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausblick: Ein Etappenziel im Modernisierungsprozess der FAO<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beschlossenen \u00c4nderungen gelten als <strong>Etappenziel einer fortlaufenden Modernisierung<\/strong> der Fachanwaltsordnung \u2013 keineswegs als Endpunkt. Sowohl Berufsverb\u00e4nde als auch die BRAK erkennen an, dass weitere Anpassungen folgen m\u00fcssen, um die Fachanwaltschaft <em>zukunftsfit<\/em> zu halten. <em>Prof. Dr. Matthias Kilian<\/em> vom Soldan Institut begr\u00fc\u00dft die aktuellen Reformschritte, betont aber: \u201e<a href=\"https:\/\/www.soldan.de\/insights\/fachanwaeltinnen-und-anwaelte-erhalten-mehr-zeit-um-praktische-erfahrung-nachzuweisen\/?srsltid=AfmBOoowwdpo_9vgCu4fJxPwDG9U98713zPCSkZT_Ud4PD5l6Rdwn8iV#:~:text=Situation%20sachgerecht%20reagieren%20muss,Alle%20Rechtsanw%C3%A4ltinnen%20und%20Rechtsanw%C3%A4lte%20sind\">Die jetzt beschlossenen \u00c4nderungen k\u00f6nnen nur <strong>ein erster Aufschlag<\/strong> sein, um die FAO zukunftsfit zu machen<\/a>.\u201c<a href=\"https:\/\/www.soldan.de\/insights\/fachanwaeltinnen-und-anwaelte-erhalten-mehr-zeit-um-praktische-erfahrung-nachzuweisen\/?srsltid=AfmBOoowwdpo_9vgCu4fJxPwDG9U98713zPCSkZT_Ud4PD5l6Rdwn8iV#:~:text=Situation%20sachgerecht%20reagieren%20muss,Alle%20Rechtsanw%C3%A4ltinnen%20und%20Rechtsanw%C3%A4lte%20sind\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">soldan.de<\/a> Bereits in der Vergangenheit hatte das Soldan Institut vor \u201eWolken am blauen Himmel der Fachanwaltschaften\u201c gewarnt und empirischen Reformbedarf aufgezeigt. Aktuell l\u00e4uft sogar eine gro\u00df angelegte <strong>Befragung der Anwaltschaft<\/strong> (sowohl Fachanw\u00e4lte als auch Nicht-Fachanw\u00e4lte), um weitere Verbesserungsm\u00f6glichkeiten in der FAO zu identifizieren. Die Ergebnisse sollen der Satzungsversammlung als Grundlage f\u00fcr kommende Reformen dienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Satzungsversammlung selbst versteht die Reform als Teil einer kontinuierlichen Entwicklung. In vorherigen Sitzungen wurden z.\u202fB. bereits \u00dcberlegungen zur <strong>Fortbildungspflicht<\/strong> oder zur Einf\u00fchrung neuer Fachanwaltsbezeichnungen diskutiert. Die n\u00e4chste Sitzung des \u201eAnwaltsparlaments\u201c ist f\u00fcr Dezember 2025 angek\u00fcndigt. Es ist davon auszugehen, dass weitere <strong>Modernisierungen der FAO<\/strong> folgen werden, um den Fachanwaltsberuf an die Dynamik von Recht und Anwaltsmarkt anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit:<\/strong> Mit der FAO-Reform vom 26.\u202fMai 2025 reagiert die Anwaltschaft auf ver\u00e4nderte Realit\u00e4ten: Mehr Flexibilit\u00e4t bei der Fallpraxis, aktualisierte Anforderungen in wichtigen Rechtsgebieten und ein klares Bekenntnis zu <em>Fairness und Qualit\u00e4t<\/em>. Fachanw\u00e4ltinnen und Fachanw\u00e4lte \u2013 ob in Gro\u00dfkanzlei oder Teilzeit, ob in Hamburg oder auf dem Land \u2013 sollen auch k\u00fcnftig ihr Spezialwissen nachweisen k\u00f6nnen, ohne un\u00fcberwindbare H\u00fcrden. Die Reform schafft daf\u00fcr die Basis und markiert einen wichtigen Schritt im fortw\u00e4hrenden Prozess, die Fachanwaltsordnung im Sinne der Anwaltschaft weiterzuentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26.\u202fMai 2025 hat die 8. Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) eine richtungsweisende Reform der Fachanwaltsordnung (FAO) beschlossen. Im Zentrum steht die Verl\u00e4ngerung des Nachweiszeitraums f\u00fcr praktische F\u00e4lle von drei auf f\u00fcnf Jahre. 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