Fachanwalt Vergaberecht werden 2026: Voraussetzungen, Verdienst und Fortbildungspflicht

Fachanwalt Vergaberecht werden – das ist derzeit der Weg in die am schnellsten wachsende Fachanwaltschaft Deutschlands. Während die Gesamtzahl der Fachanwaltstitel zum 01.01.2026 leicht gesunken ist, hat das Vergaberecht um 9,11 Prozent zugelegt. Dieser Artikel zeigt Ihnen, welche Voraussetzungen die Fachanwaltsordnung verlangt, warum die Fallzahlhürde hier niedriger liegt als in jedem anderen Fachgebiet, was der Titel wirtschaftlich bringt – und wo die realistischen Hürden liegen, über die andere Ratgeber schweigen.

Vergaberecht: Markt und Nachfrage

Zum 01.01.2026 gab es in Deutschland 527 Fachanwaltstitel für Vergaberecht. Ein Jahr zuvor waren es 483. Das ist ein Zuwachs von 9,11 Prozent – der stärkste aller 24 Fachanwaltschaften (BRAK-Fachanwaltsstatistik zum 01.01.2026).

Diese Zahl bekommt ihr Gewicht erst im Vergleich: Über alle Fachgebiete hinweg ist die Zahl der Fachanwaltstitel im selben Zeitraum von 58.655 auf 58.177 gesunken (−0,81 %). 15 der 24 Fachanwaltschaften schrumpfen. Das Vergaberecht wächst nicht nur gegen diesen Trend, es wächst deutlicher als jedes andere Gebiet – vor dem Migrationsrecht (+5,97 %) und dem Informationstechnologierecht (+4,68 %) (Mitglieder- und Fachanwaltsstatistik der BRAK).

Trotz des Wachstums bleibt das Gebiet klein: 527 Titel entsprechen 0,91 Prozent aller Fachanwaltstitel. Zum Vergleich: Im Arbeitsrecht sind es 11.253. Für Sie heißt das zweierlei – wenig Konkurrenz, aber auch ein Markt, der Sie nicht von allein findet.

Die regionale Verteilung ist extrem ungleich. Allein auf die Rechtsanwaltskammer Berlin entfallen 101 der 527 Titel, also 19,2 Prozent. Dahinter folgen München (58), Düsseldorf (49), Köln (47) und Frankfurt (43). Am anderen Ende: Zweibrücken hat keinen einzigen Fachanwalt für Vergaberecht, Kassel einen, Saarbrücken, Thüringen und Tübingen je zwei. In den meisten Kammerbezirken ist die Zahl einstellig oder niedrig zweistellig.

Zwei weitere Strukturmerkmale sind aufschlussreich:

  • Frauenanteil 27,1 Prozent (143 von 527) – unter dem Durchschnitt aller Fachanwaltstitel von 32,2 Prozent.
  • Syndikusanteil 8,2 Prozent – deutlich über dem Mittel von 6,05 Prozent. Vergaberecht wird also überdurchschnittlich häufig in Unternehmen und bei öffentlichen Auftraggebern selbst betrieben, nicht nur in der klassischen Kanzlei.

Wirtschaftlich spricht die Spezialisierung generell für sich: Fachanwälte erzielen laut STAR-Report 2025 einen um 72 Prozent höheren persönlichen Gewinn als nicht spezialisierte Kolleginnen und Kollegen. Die Details dazu weiter unten.

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Nachfragebasis: Was die öffentliche Beschaffung für Vergaberechtler bedeutet

Das Vergaberecht hat einen Nachfragetreiber, den kein anderes Fachgebiet in dieser Form hat: den Haushalt des Staates.

Für das Jahr 2023 meldeten die Berichtsstellen 195.493 öffentliche Aufträge und Konzessionen mit einem Auftragsvolumen von 123,485 Milliarden Euro (Vergabestatistikbericht des Bundeswirtschaftsministeriums für das Gesamtjahr 2023). Und die Vergabestatistik ist keine Vollerhebung – das tatsächliche Beschaffungsvolumen liegt höher.

Zu diesem Sockel kommt seit 2025 ein historisch einmaliger Aufbau. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität umfasst 500 Milliarden Euro, die innerhalb von zwölf Jahren bewilligt werden können: 300 Milliarden für Bundesinvestitionen, 100 Milliarden für Länder und Kommunen, 100 Milliarden für den Klima- und Transformationsfonds (Bundesregierung zum Sondervermögen). Jeder Euro davon muss vergaberechtskonform ausgegeben werden – von Auftraggebern, deren Vergabestellen personell längst am Limit sind.

Der dritte Treiber ist die Gesetzeslage selbst. Zum 1. Juli 2026 ist das Vergabebeschleunigungsgesetz in Kraft getreten (verkündet am 18.05.2026, BGBl. 2026 I Nr. 137). Es bringt unter anderem:

  • einen neuen § 97a GWB, der Gesamtvergaben statt Losbildung erlaubt, wenn zeitliche Gründe dies bei Infrastrukturvorhaben aus dem Sondervermögen erfordern,
  • eine angehobene Wertgrenze für Direktaufträge des Bundes auf 50.000 Euro netto,
  • und eine spürbare Verkürzung des Primärrechtsschutzes: Nach § 173 GWB hat die sofortige Beschwerde gegen Entscheidungen der Vergabekammer keine aufschiebende Wirkung mehr (Übersicht der Neuregelungen).

Eine Rechtsmaterie, die sich mitten in einem Investitionsboom grundlegend ändert, erzeugt Beratungsbedarf auf beiden Seiten des Tisches. Typische Mandate sind deshalb erstens die vergaberechtliche Begleitung von Auftraggebern – Verfahrensart wählen, Vergabeunterlagen und Eignungskriterien rechtssicher aufsetzen, Wertung dokumentieren – und zweitens die Vertretung von Bietern: Rügen nach § 160 Abs. 3 GWB, Nachprüfungsanträge vor der Vergabekammer, Beschwerdeverfahren vor dem OLG, Schadensersatz nach vergaberechtswidrigem Zuschlag.

Fachanwalt Vergaberecht werden: die Voraussetzungen im Überblick

Der Weg zum Titel ist in der Fachanwaltsordnung (Stand 01.12.2025) abschließend geregelt. Fünf Bausteine müssen zusammenkommen:

  1. Dreijährige Zulassung als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt – mindestens drei Jahre Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung (§ 3 FAO).
  2. Fachanwaltslehrgang – mindestens 120 Zeitstunden, Leistungskontrollen nicht eingerechnet (§ 4 Abs. 1 FAO). Anders als im Steuerrecht (+40 Stunden) oder im Insolvenz- und Sanierungsrecht (+60 Stunden) gibt es im Vergaberecht keinen Zuschlag.
  3. Leistungskontrollen – mindestens drei schriftliche Aufsichtsarbeiten in Präsenzform aus verschiedenen Bereichen des Lehrgangs, je Arbeit ein bis fünf Zeitstunden, Gesamtdauer der bestandenen Arbeiten mindestens 15 Zeitstunden (§ 4a FAO).
  4. Praktische Erfahrungen40 Fälle aus den Bereichen des § 14o FAO, davon mindestens 5 gerichtliche Verfahren oder Nachprüfungsverfahren (§ 5 Abs. 1 lit. v FAO), bearbeitet innerhalb der letzten fünf Jahre vor Antragstellung, persönlich und weisungsfrei. Details im übernächsten Abschnitt.
  5. Fachgespräch (§ 7 FAO) – 45 bis 60 Minuten vor dem Fachausschuss der Kammer. Der Ausschuss kann davon absehen, wenn Zeugnisse und Fallliste für sich sprechen; in der Praxis ist das der Regelfall.

Verwechseln Sie die beiden Fristen nicht: Die Sechs-Jahres-Frist gilt für die Zulassung, die Fünf-Jahres-Frist für die Fälle. Der Fallzeitraum verlängert sich um Zeiten des Mutterschutzes, der Elternzeit und in Härtefällen, höchstens jedoch um 36 Monate (§ 5 Abs. 3 FAO).

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Theoretische Kenntnisse: Was im Lehrgang behandelt wird

§ 14o FAO schreibt vor, in welchen Bereichen Sie besondere Kenntnisse nachweisen müssen. Der Lehrgang muss diese Bereiche vollständig abdecken – ein Lehrgang, der einen Bereich auslässt, trägt den Nachweis nicht.

  • Europäische und deutsche Vorschriften zur öffentlichen Auftragsvergabe: EU-Vergaberichtlinien einschließlich der Rechtsmittelrichtlinien, Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), Vergabeverordnung (VgV), Sektorenverordnung (SektVO), Konzessionsvergabeverordnung (KonzVgV), Vergabeverordnung Verteidigung und Sicherheit (VSVgV) sowie die Grundzüge der Landesvergabegesetze.
  • Besonderheiten der einzelnen Vergabeverfahren bei Liefer- und Dienstleistungen, Planungswettbewerben und Architekten-/Ingenieurleistungen, Bauleistungen, Sektorenaufträgen (Verkehr, Trinkwasser, Energie), Konzessionen sowie Aufträgen im Bereich Verteidigung und Sicherheit.
  • Besonderheiten der Verfahrens- und Prozessführung: Primärrechtsschutz durch Nachprüfungs- und Beschwerdeverfahren, Grundzüge der vergaberechtlichen Verfahren vor dem EuGH sowie sonstiger Rechtsschutz vor Zivil- und Verwaltungsgerichten.
  • Vergaberechtliche Aspekte des Beihilferechts. Das europäische Beihilfen- und Wettbewerbsrecht ist zugleich einer der acht Bereiche beim Fachanwalt Internationales Wirtschaftsrecht (§ 14n Nr. 5 FAO).
  • Grundzüge des öffentlichen Preisrechts.

Hinzu kommt die Vorgabe aus § 2 Abs. 3 FAO, dass die theoretischen Kenntnisse die verfassungs-, europa- und menschenrechtlichen Bezüge des Fachgebiets erfassen müssen – im Vergaberecht kein Formelkram, sondern angesichts der unionsrechtlichen Prägung der Materie der Kern der Sache.

Achten Sie bei der Lehrgangswahl auf einen Punkt, der 2026 praktisch relevant ist: Der Stoff hat sich zum 1. Juli 2026 erheblich verändert. Ein Lehrgangsskript auf dem Stand von 2025 ist in den Bereichen Losgrundsatz, Direktauftragsgrenzen und Rechtsschutz überholt.

Praktische Erfahrungen: Welche Fälle zählen?

Hier liegt die eigentliche Besonderheit des Vergaberechts – und zwar in beide Richtungen.

Die gute Nachricht: Mit 40 Fällen verlangt § 5 Abs. 1 lit. v FAO die niedrigste Fallzahl aller 24 Fachanwaltschaften. Zum Vergleich: Verkehrsrecht 160 Fälle, Familienrecht und Miet-/WEG-Recht je 120, Arbeitsrecht 100, Erbrecht und gewerblicher Rechtsschutz je 80, IT-Recht und Steuerrecht je 50. Auch die Quote rechtsförmlicher Verfahren ist mit 5 so niedrig wie sonst nirgends – im Familienrecht sind es 60.

Anrechenbar sind Fälle aus allen Bereichen des § 14o FAO, insbesondere:

  • Beratung öffentlicher Auftraggeber bei Wahl und Durchführung der Verfahrensart
  • Erstellung und Prüfung von Vergabeunterlagen, Eignungs- und Zuschlagskriterien
  • Vertretung von Bietern im laufenden Verfahren, Rügen nach § 160 Abs. 3 GWB
  • Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer und Beschwerdeverfahren vor dem OLG
  • Sektorenvergaben und Konzessionsvergaben
  • Vergaben im Bereich Verteidigung und Sicherheit
  • vergaberechtliche Beihilfefragen und Fragen des öffentlichen Preisrechts

Die schlechte Nachricht: Die fünf gerichtlichen Verfahren oder Nachprüfungsverfahren sind schwerer zu bekommen, als die Zahl vermuten lässt. Bundesweit gingen bei den Vergabekammern des Bundes und der Länder im Jahr 2024 nur 756 Nachprüfungsanträge ein (Gesamtübersicht der Vergabekammern 2024, BMWE). Verteilt auf 527 bestehende Fachanwältinnen und Fachanwälte plus alle sonstigen Vergaberechtler ist das ein knappes Gut. Wer nicht in einer Kanzlei mit laufender Nachprüfungspraxis sitzt, sollte diese fünf Verfahren zuerst planen – nicht die übrigen 35 Fälle.

Die Verkürzung des Rechtsschutzes durch das Vergabebeschleunigungsgesetz könnte diesen Engpass zusätzlich verschärfen: Wenn die sofortige Beschwerde den Zuschlag nicht mehr aufhält, sinkt für Bieter der Anreiz, überhaupt in ein Verfahren zu gehen.

Praxistipp: Führen Sie Ihre Fallliste von Beginn an laufend – mit Aktenzeichen, Gegenstand, Zeitraum, Art und Umfang der Tätigkeit und Verfahrensstand (§ 6 Abs. 3 FAO). Rückwirkende Dokumentation ist fehleranfällig und kann zur Ablehnung Ihres Antrags führen. Notieren Sie bei jedem Fall zusätzlich, welchem Bereich des § 14o FAO er zuzuordnen ist.

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Lohnt sich der Fachanwaltstitel Vergaberecht? Markt und Verdienst

Fachanwalt Vergaberecht vs. nicht spezialisierter Kollege: Was der Titel wirklich bringt

Kennzahl Fachanwalt Ohne Spezialisierung
Honorarumsatz (Ø) 268.000 € 167.000 €
Persönlicher Gewinn (Ø) 136.000 € 79.000 €
Überschuss pro Arbeitsstunde 60 € 34 €

Quelle: STAR-Report 2025, Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) / Institut für Freie Berufe (IFB). Die Werte gelten für Fachanwältinnen und Fachanwälte insgesamt, nicht speziell für das Vergaberecht.

Für das Vergaberecht kommen vier Faktoren hinzu, die im Mandantengespräch konkret wirken:

Erstens: Ihre Mandanten sind institutionell. Öffentliche Auftraggeber, kommunale Unternehmen, Sektorenauftraggeber und größere Bieterunternehmen wählen ihre Anwälte nicht über Google, sondern über Referenzen, Vergabeportale, Rahmenvereinbarungen und Ausschreibungen für Rechtsberatung. Der Fachanwaltstitel ist dort ein formales Eignungskriterium – manchmal wörtlich in den Vergabeunterlagen für die Rechtsberatung selbst.

Zweitens: Der Zeitdruck arbeitet für Sie. Vergaberechtliche Fristen sind kurz und ausschlussbewehrt. Wer eine Rüge nach § 160 Abs. 3 GWB verpasst, verliert den Primärrechtsschutz. Diese Konstellation erzeugt eine Zahlungsbereitschaft, die im Massengeschäft anderer Rechtsgebiete fehlt.

Drittens: Es gibt Anschlussmandate. Ein Auftraggeber, der ein Großvergabeverfahren begleiten lässt, hat im Folgejahr das nächste. Die Beratung ist projektförmig, aber die Mandanten sind Wiederholungstäter.

Viertens: Die Synergien sind naheliegend. Wer bereits im Verwaltungsrecht oder im Bau- und Architektenrecht arbeitet, hat den Zugang zu Vergabemandaten faktisch schon. § 14e Nr. 3 FAO nennt das Recht der öffentlichen Vergabe von Bauaufträgen sogar ausdrücklich als Pflichtbereich des Bau- und Architektenrechts.

Und die ehrliche Einschränkung: Vergaberecht ist ein Standortthema. 19,2 Prozent aller Titel entfallen auf Berlin, weitere gut 37 Prozent auf München, Düsseldorf, Köln und Frankfurt. Das ist kein Zufall, sondern folgt der Verteilung von Bundesbehörden, Landesministerien, Sektorenauftraggebern und großen Kommunen. In einer Einzelkanzlei in einer Kleinstadt lässt sich mit Vergaberecht in aller Regel keine Auslastung erzeugen – anders als etwa mit Familien- oder Verkehrsrecht. Dafür ist der Markt in strukturstarken Regionen mit vielen öffentlichen Auftraggebern erstaunlich dünn besetzt: In Sachsen etwa stehen 31 Titel einem erheblichen kommunalen Investitionsvolumen gegenüber.

Fortbildungspflicht nach § 15 FAO im Vergaberecht

Als Fachanwalt für Vergaberecht sind Sie verpflichtet, jährlich mindestens 15 Zeitstunden Fortbildung in Ihrem Fachgebiet nachzuweisen (§ 15 Abs. 3 FAO). Die Fortbildungspflicht beginnt nicht erst nach Verleihung des Titels, sondern bereits nach Abschluss des Fachanwaltslehrgangs.

Bis zu 5 dieser 15 Stunden können Sie im Wege des Selbststudiums absolvieren, sofern eine Lernerfolgskontrolle erfolgt (§ 15 Abs. 4 FAO). Das erleichtert die Planung erheblich.

Bei Nichterfüllung kann die Rechtsanwaltskammer den Fachanwaltstitel widerrufen (§ 43c Abs. 4 BRAO). Gerade im Vergaberecht ist die Fortbildung ohnehin keine lästige Pflicht: Mit dem Vergabebeschleunigungsgesetz hat sich zum 1. Juli 2026 ein erheblicher Teil des Prüfungsstoffs geändert. Wer hier nicht nachzieht, berät auf veraltetem Stand.

Alle § 15 FAO Fortbildungen Vergaberecht im Überblick

Selbststudium Vergaberecht – 5 Stunden online

Fazit: Lohnt es sich, Fachanwalt Vergaberecht zu werden?

Ja – wenn Sie in einem Ballungsraum oder in der Nähe öffentlicher Auftraggeber arbeiten und bereit sind, Ihre Mandate aktiv aufzubauen statt auf Zulauf zu warten.

Die Argumente sind ungewöhnlich klar: Das Gebiet wächst als einziges zweistellig nahe an der Zehn-Prozent-Marke, während der Gesamtmarkt schrumpft. Die formale Hürde ist mit 40 Fällen die niedrigste aller Fachanwaltschaften. Und die Nachfrageseite ist auf zwölf Jahre hinaus durch ein 500-Milliarden-Euro-Investitionsprogramm unterlegt.

Der Vorbehalt ist ebenso klar: Es ist ein Nischengebiet mit institutionellen Mandanten und starker regionaler Konzentration. Die fünf geforderten Nachprüfungs- oder Gerichtsverfahren sind bei bundesweit rund 750 Nachprüfungsanträgen pro Jahr der eigentliche Engpass – nicht der Lehrgang. Wer diese fünf Verfahren nicht realistisch planen kann, sollte den Lehrgang zurückstellen, bis die Fallbasis steht.

Nächster Schritt: Prüfen Sie zuerst, ob Sie in den kommenden fünf Jahren an fünf Nachprüfungs- oder Gerichtsverfahren kommen. Erst danach wählen Sie den Lehrgang – und achten dabei darauf, dass er den Stand nach dem 1. Juli 2026 abbildet.

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Häufige Fragen zum Fachanwalt Vergaberecht

Wie lange dauert der Fachanwaltslehrgang Vergaberecht?

Der Lehrgang umfasst mindestens 120 Zeitstunden, Leistungskontrollen nicht eingerechnet (§ 4 Abs. 1 FAO). Je nach Anbieter und Format verteilt sich das auf vier bis sechs Monate. Hybrid-Lehrgänge mit Präsenz- und Online-Bausteinen laufen typischerweise über ein halbes Jahr; im Selbststudienformat bestimmen Sie das Tempo weitgehend selbst. Einen Stundenzuschlag wie im Steuerrecht (+40) oder Insolvenz- und Sanierungsrecht (+60) gibt es im Vergaberecht nicht.

Wie viele Fälle brauche ich für den Fachanwaltstitel Vergaberecht?

40 Fälle aus den Bereichen des § 14o FAO, davon mindestens 5 gerichtliche Verfahren oder Nachprüfungsverfahren (§ 5 Abs. 1 lit. v FAO). Die Fälle müssen innerhalb der letzten fünf Jahre vor Antragstellung persönlich und weisungsfrei bearbeitet worden sein. Das ist die niedrigste Fallzahl aller 24 Fachanwaltschaften. Der Zeitraum verlängert sich um Mutterschutz, Elternzeit und Härtefälle, höchstens um 36 Monate.

Was kostet der Fachanwaltslehrgang Vergaberecht?

Auf unserem Portal starten die Lehrgänge bei rund 1.320 Euro im Selbststudienformat; Hybrid- und Präsenzlehrgänge liegen je nach Anbieter zwischen etwa 1.700 und 2.300 Euro, im Einzelfall bis rund 4.500 Euro. Dazu kommen die Gebühren Ihrer Rechtsanwaltskammer für das Verleihungsverfahren. Lehrgangskosten sind als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten absetzbar.

Kann ich mehrere Fachanwaltstitel gleichzeitig führen?

Ja, Sie können bis zu drei Fachanwaltstitel gleichzeitig führen (§ 43c Abs. 1 BRAO). Zum 01.01.2026 führten 35.167 Personen einen, 10.714 zwei und 1.555 drei Titel. Im Vergaberecht liegen Kombinationen mit Verwaltungsrecht, Bau- und Architektenrecht oder – bei EU-weiten Verfahren und Beihilfefragen – dem Internationalen Wirtschaftsrecht besonders nahe – § 14e Nr. 3 FAO nennt das Recht der öffentlichen Vergabe von Bauaufträgen ausdrücklich als Bereich des Bau- und Architektenrechts.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um Fachanwalt Vergaberecht zu werden?

Drei Jahre Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre (§ 3 FAO), ein Fachanwaltslehrgang von mindestens 120 Zeitstunden mit mindestens drei Präsenzklausuren (§§ 4, 4a FAO), 40 Fälle nach § 5 Abs. 1 lit. v FAO aus den letzten fünf Jahren und gegebenenfalls ein Fachgespräch von 45 bis 60 Minuten (§ 7 FAO).

Wie lange ist der Fachanwaltstitel Vergaberecht gültig – muss er verlängert werden?

Der Titel selbst ist unbefristet und muss nicht verlängert werden. Erhalten bleibt er aber nur, solange Sie die Fortbildungspflicht von 15 Zeitstunden je Kalenderjahr erfüllen und der Kammer unaufgefordert nachweisen (§ 15 Abs. 3, Abs. 5 FAO). Bleibt der Nachweis aus, gibt die Kammer zunächst Gelegenheit zum Nachholen; bei fortdauernder Nichterfüllung ist der Widerruf nach § 43c Abs. 4 BRAO möglich.

Kann ich den Fachanwaltslehrgang Vergaberecht auch online absolvieren?

Ja. Für das Vergaberecht gibt es reine Selbststudienlehrgänge sowie Hybridformate mit Online- und Präsenzbausteinen. Wichtig ist die Einschränkung bei den Leistungskontrollen: Die mindestens drei Aufsichtsarbeiten müssen nach § 4a FAO in Präsenzform geschrieben werden. Prüfen Sie vor der Buchung, ob der Anbieter Klausurtermine in erreichbarer Nähe anbietet und ob Ihre Kammer den Lehrgang anerkennt.

Was passiert, wenn ich die Fortbildungspflicht als Fachanwalt Vergaberecht nicht erfülle?

Die Kammer setzt Ihnen zunächst eine angemessene Frist zum Nachholen der fehlenden Stunden (§ 15 Abs. 5 FAO). Wird auch die versäumt, kann sie die Erlaubnis zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung widerrufen (§ 43c Abs. 4 BRAO). Fristen und Mahnverfahren handhaben die Kammern unterschiedlich. Bis zu 5 der 15 Stunden lassen sich über anerkanntes Selbststudium mit Lernerfolgskontrolle abdecken – das ist der einfachste Weg, eine Lücke rechtzeitig zu schließen.

Mehr zum Weg in die Spezialisierung lesen Sie in unserem Leitartikel Fachanwalt werden: der Überblick.