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Von Alexander Grantz | 12. Februar 2026
Die Zahlen sind eindeutig: Wer sich als Rechtsanwalt spezialisiert und den Fachanwaltstitel erwirbt, verdient deutlich mehr – nicht ein bisschen, sondern strukturell und dauerhaft. Der aktuelle STAR-Bericht 2025 der BRAK liefert dazu die bisher präzisesten Daten. Was dahintersteckt, warum der Unterschied so groß ist und was das für Ihre Kanzlei bedeutet – das erfahren Sie hier.
1. Der Fachanwalt-Bonus: Zahlen, die für sich sprechen
Im Wirtschaftsjahr 2024 zeigt sich ein klares Dreiklassen-System beim Honorarumsatz:
| Gruppe | Ø Honorarumsatz |
|---|---|
| Rechtsanwalt ohne Spezialisierung | 109.000 € |
| Spezialisiert (ohne Fachanwaltstitel) | 177.000 € |
| Fachanwalt | 237.000 € |
Noch deutlicher wird der Unterschied beim persönlichen Gewinn von Vollzeit-Berufsträgern:
- Eine Spezialisierung ohne Titel steigert den persönlichen Überschuss um 53 % gegenüber dem Generalisten.
- Der Fachanwaltstitel bringt sogar 72 % mehr Gewinn – gegenüber dem nicht spezialisierten Kollegen.
Beim Stundenverdienst ist die Hierarchie ebenso klar:
- Generalist: Ø 34 € Überschuss pro Stunde
- Fachanwalt: Ø 61 € Überschuss pro Stunde
Das ist kein Zufall und kein statistisches Rauschen. Es ist das Ergebnis eines Mechanismus, der sich systematisch wiederholt.
2. Warum ist der Unterschied so groß? Drei Mechanismen
Mandanten suchen aktiv nach dem Titel
Der Fachanwaltstitel ist das einzige berufsrechtlich geregelte Qualitätssignal für Rechtsanwälte in Deutschland. Mandanten – besonders in wirtschaftsrelevanten Streitigkeiten – suchen gezielt nach Fachanwälten. Das führt zu einem natürlichen Selektionseffekt: Wer den Titel hat, bekommt die besser zahlenden, komplexeren Mandate.
Höhere Stundensätze sind leichter durchsetzbar
Ein Fachanwalt kann höhere Zeithonorare verlangen – und bekommt sie. Der STAR-Bericht bestätigt, dass die durchschnittlichen Regelstundensätze mit steigendem Spezialisierungsgrad messbar zunehmen und bei Fachanwälten ihr Maximum erreichen. Der Titel legitimiert den Preis gegenüber dem Mandanten.
Mehr Mandate durch Spezialisierung
Fachanwälte bearbeiten laut STAR-Bericht im Schnitt 185 Mandate pro Jahr – deutlich mehr als spezialisierte Kollegen ohne Titel (129 Mandate) oder Generalisten (130 Mandate). Spezialisierung schafft Effizienz: Wer immer wieder dieselben Fälle bearbeitet, wird schneller, sicherer und rentabler.
3. Welche Rechtsbereiche sind wirtschaftlich besonders stark?
An dieser Stelle müssen wir ehrlich sein: Der STAR-Bericht arbeitet mit Sammelkategorien, die nicht direkt den 24 offiziellen Fachanwaltstiteln entsprechen. Ein belastbares Ranking einzelner Fachanwaltschaften – etwa Arbeitsrecht vs. Familienrecht vs. Steuerrecht – lässt sich aus dieser Datenbasis nicht ableiten.
Was der Bericht jedoch zeigt, ist eine Orientierung nach Rechtsbereichen:
Wirtschaftlich besonders stark (Umsatz und Überschuss je Mandat):
- Handels- und Wirtschaftsrecht
- Steuerrecht
- Öffentliches Recht
Solides Mittelfeld:
- Bürgerliches Recht / Arbeitsrecht
Hohe Mandatszahlen, aber geringerer Ertrag je Mandat:
- Verkehrsrecht / Familienrecht
Wirtschaftliches Schlusslicht (Überschuss je Mandat):
- Sozialrecht sowie Ausländer- und Asylrecht
Wichtiger Hinweis: Diese Einordnung basiert auf den BRAK-Sammelkategorien und beschreibt Trends – keine präzisen Ranglisten. Außerdem gilt: Der wirtschaftlich stärkste Bereich ist wenig wert, wenn er nicht zu Ihrer Praxis, Ihrem Markt und Ihren Mandanten passt. Ein Fachanwaltstitel in einem „Mittelfeld“-Bereich, den Sie mit echter Expertise besetzen, ist mehr wert als ein Titel in einem Wachstumsbereich, den Sie halbherzig betreiben.
4. Was bedeutet das konkret für Sie?
Sie haben bereits einen Fachanwaltstitel? Stellen Sie sicher, dass der Titel auf Ihrer Website, in Ihrer E-Mail-Signatur und in Ihrer Außenkommunikation prominent sichtbar ist. Viele Fachanwälte unterschätzen, wie viel der Titel allein in der Außenwahrnehmung bewirkt – unabhängig von Ihrer tatsächlichen Expertise.
Sie haben mehrere Fachanwaltschaften? Glückwunsch – Sie profitieren überproportional. Jede zusätzliche Fachanwaltschaft bringt ihre eigene FAO-Pflicht von 15 Stunden, aber auch ihr eigenes Honorarpotenzial. Wer zwei oder drei Titel aktiv bewirbt, hebt sich im Markt deutlich ab.
Sie überlegen, einen Fachanwaltstitel zu erwerben? Die Zahlen sind ein klares Argument. Der Lehrgang kostet Zeit und Geld – aber der STAR-Bericht zeigt, dass sich die Investition strukturell auszahlt. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und in welchem Bereich.
Sie sind bereits Fachanwalt und müssen Ihre Fortbildungspflicht erfüllen? Dann ist das Ihre jährliche Pflicht – aber auch Ihre jährliche Chance, den Titel mit echtem Inhalt zu füllen. Auf rechtsanwalt-fortbildung.net finden Sie über 4.500 anerkannte Fortbildungen für alle 24 Fachanwaltschaften – online, im Selbststudium oder in Präsenz.
Fazit
Der Fachanwaltstitel ist kein Ehrenzeichen – er ist ein wirtschaftliches Instrument. 72 % mehr Gewinn gegenüber dem Generalisten sind das Ergebnis von drei Faktoren: bessere Mandantengewinnung, höhere Stundensätze und mehr Effizienz durch Spezialisierung. Welcher Rechtsbereich der „lukrativste“ ist, lässt sich pauschal nicht sagen – das hängt von Ihrer Praxis, Ihrem Standort und Ihrer Positionierung ab. Was sich sagen lässt: Wer einen Fachanwaltstitel hat und ihn aktiv nutzt, ist strukturell im Vorteil.
Quellen: STAR-Bericht 2025 der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Wirtschaftsjahr 2024
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