Gutachter und nicht Juristen entscheiden den Prozess – so könnte das niederschmetternde Fazit lauten, wenn das Gericht sich medizinischen Sachverstand einholt und häufig der Eindruck entsteht, dass sich Gutachter damit schwertun, Fehler von Kollegen als solche zu benennen. Leider haken hier auch viele Gerichte nicht stringent genug nach und manchmal fehlt später auch die kritische Auseinandersetzung mit offensichtlichen Widersprüchen in den Urteilsgründen.
Doch Prozessbevollmächtigte sind nicht machtlos.
Anhand eigener Fälle aus über 30-jähriger Berufspraxis werden Erfahrungen und Tipps in diesem für den Prozess entscheidenden Bereich vermittelt.
Ihre Arbeit beginnt bei der Prüfung des Beweisbeschlusses auf Vollständigkeit, setzt sich bei der Frage der Kompetenz des vorgeschlagenen Gutachters fort bis hin zur Durchsicht des Gutachtens auf Plausibilität und Widersprüche. Ob ein Befangenheitsantrag sinnvoll ist, wann dieser zu stellen ist, erläutere ich anhand eigener Erfahrungen.
Die Stellungnahme zu Gutachten erfordert besondere Sorgfalt, weil Widersprüche herausgearbeitet werden müssen, die zu Nachfragen in der Verhandlung führen. So vertreten einige Gutachter in ihrer Bewertung, welche OP-Methode dem Standard entspricht, die Meinung einer „Schule“. Sie teilen nicht mit, dass es gleichwertige andere OP-Methoden gab, über die der Patient hätte aufgeklärt werden müssen.
Häufig gibt es erstaunliche Diskrepanzen zwischen der eher schlechten Bewertung der ärztlichen Tätigkeit des beklagten Behandlers zu Beginn des Gutachtens und dem Ergebnis, dass gleichwohl kein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegt.
Nicht selten haben Gutachter Probleme damit, einen groben Fehler eines „erfahrenen Kollegen“ zu bestätigen.
Oft sind aber auch Nachfragen des Gerichts zur Abgrenzung zwischen einfachen und groben Behandlungsfehlern völlig ungeeignet – z.B. die typische Frage bei einem bestätigten Behandlungsfehler: „Gäbe es bei Ihnen im Hause nur ein ermahnendes Gespräch?“ oder würde dem Arzt angedroht „Wenn das noch einmal vorkommt, werden Sie entlassen!“
Sie erhalten mit dem umfangreichen Skript viele sofort umsetzbare Tipps aus der Anwaltspraxis.